
10 Jahre Arbeitskreis ehemalige Synagoge Pfungstadt e.V.
Im Oktober vor 10 Jahren wurde der Arbeitskreis ehemalige Synagoge in Pfungstadt gegründet. In diesen Jahren wurde durch ein vielfältiges Programm an ausgelöschtes Leben in Pfungstadt erinnert, zuletzt durch die Verlegung der ersten 26 Stolpersteine in Pfungstadt. Ausstellungen, Lesungen, Vorträge haben das kulturelle Leben der Stadt bereichert und die Synagoge weit über Pfungstadt hinaus bekannt gemacht. Konzerte, Exkursionen haben guten Zuspruch erfahren.
Die Gedenkveranstaltungen und Zeitzeugengespräche haben großen Raum eingenommen. Aber es ging nicht nur darum, an die Zeit des Nationalsozialismus zu erinnern, sondern auch auf vielfältige Weise jüdischen Leben und jüdische Kultur zu vermitteln.
Zum 10jährigen Bestehen unsres Arbeitskreises:
Alix Dudel und Sebastian Albert:
Sozusagen grundlos vergnügt
Lieder und Lyrik von Mascha Kaléko
Samstag, 8. Oktober 2011
Beginn: 19.30Uhr
Pfungstadt, Synagoge, Hillgasse 8
Eintritt: 15,-/10,-€ ermäßigt
Mascha Kaléko
Alix Dudel singt, liest und spricht Mascha Kaléko
Kompositionen: Herbert Baumann
mit Alix Dudel, Nora Doerries, Sebastian Albert (Gitarre)
2 mal 43 Minuten
Die Dichterin Mascha Kaléko wurde 1907 in Galizien geboren und
kam 1918 mit ihren Eltern nach Berlin, wo sie bis 1938 lebte und schrieb.
Schon früh begann sie, ihre Eindrücke der Großstadt, der Menschen und
ihrer Gefühle in Gedichtform aufzuschreiben. In den 1920er Jahren wurden
ihre Verse zunächst in verschiedenen Zeitungen publiziert. 1933 erschien
ihr erster Gedichtband “Das lyrische Stenogrammheft” bei Rowohlt.
Die politischen Verhältnisse zwangen sie 1938 mit ihrem zweiten
Mann Chemjo Vinaver und ihrem Sohn Evjatar (Steven) zur Emigration
nach Amerika. Ende 1959 folgte sie ihrem Mann nach Israel.
1975 starb sie in Zürich.
Alix Dudel zeichnet durch die Worte Mascha Kalékos ein Bild ihrer Zeit
und der Verhältnisse, in denen sie lebte und schrieb. Die junge Mascha
Kaléko durchlebt Höhen und Tiefen verwirrender Liebesbeziehungen, und
ihre Verse bestechen durch Klarheit und Leichtigkeit der oft schmerzvollen
Erfahrungen. Sie lehrt uns, dass es keinen Abschied ohne Hoffnung gibt und
dass in fast jeder Lebenslage ein Quäntchen Humor sehr hilfreich sein kann.
Ihre Fähigkeit sich aus schwierigen Lebenssituationen mit Hilfe von Kreativität
und unglaublicher Kraft zu befreien ist beeindruckend.
Herbert Baumann wurde 1925 in Berlin geboren und studierte am
Internationalen Musikinstitut Berlin Komposition bei Paul Höffer und
Boris Blacher. Während seiner Tätigkeit als musikalischer Leiter bedeutender
Bühnen (Deutsches Theater, Schiller-Theater Berlin u.a.) schrieb er die Musik
zu mehr als 500 Bühnenstücken und zu über 40 Fernsehfilmen. Die Vertonungen
der Mascha Kaléko Texte entstanden Anfang der 1990er Jahre.
Mit Sebastian Albert hat Alix Dudel einen exquisiten Gitarristen an ihrer
Seite, der filigran und einfühlsam den Boden bereitet, auf dem sich die
Worte Mascha Kalékos entfalten können. Mit ihrer Präsenz und Ausdruckskraft
ist Nora Doerries (Schauspielerin) eine wunderbare Bereicherung für dieses
Programm.
Hier eine Auswahl der bisherigen Veranstaltungen:
Zeitzeugengespräche
Ruth David, Dr. Max. Mannheimer, Arek Hersch,
Philipp Benz, Guy Stern, Peter Gingold
Ausstellungen
X-ODUS mit R. Fränkel und N. Morris
„Landschaften und Menschen in Israel“ mit Ruth Patt und I. Gabriely
„Die Zirkusreiterin, der Clown und ihr Retter“ Cirkus Lorch aus Eschollbrücken
„Juden in Pfungstadt“
John Elsas – Zeichnungen und Collagen
Ausstellung Arnim Ziemann aus Pfungstadt
Lesungen
Esther Dischereit, Hilde Domin, Eli Amir, Moritz Neumann, Rafael Seligmann Charlotte Asendorf liest Heinrich Heine , Else Lasker-Schüler und Gertrud Colmar,
Das Leben der Eugenia Ginsburg mit ihrer Tochter Antonia Axenova, eine
deutsch-russische Lesung
Vorträge
Thema Bücherverbrennung mit Th. B. Schuhmann
„Meschugge, Zores und Schlamassel“ v. Ullrich
Itzhak Ziemann, Hannes Heer, Dr. Axel Ulrich
B. Zeitzinger über die Bukowina
Eldat Stobinsky, Jüdische Gegenwartsliteratur
Dr. Elisabeth Krimmel: Karl Freund
Konzerte
Irith Gabriely und Colalaila, Jugend musiziert, Chor der Jüdischen Gemeinde in Darmstadt
Theater
Matthias Klösel mit „Ein ganz gewöhnlicher Jude“
Exkursionen
KZ Struthof im Elsass, KZ Osthofen,
Stadtrundgang in Darmstadt,
Synagoge in Darmstadt,
Speyer und Worms, Mannheim und Heidelberg
KZ Walldorf in Mörfelden-Walldorf,
Der jüdische Friedhof in Alsbach
Jüdische Stätten - Exkursion Odenwald
Der jüdische Friedhof in Darmstadt
KZ Mannheim u. Dokumentationszentrum Sinti und
Roma in Heidelberg
Wiesbaden und Mainz
u.v.m.
Darmstädter Echo 05. Oktober 2011 | beg
PFUNGSTADT
Der Blick geht auch nach vorn
Alte Synagoge: Konzerte, Lesungen, Exkursionen und Zeitzeugengespräche: Der Pfungstädter Kulturverein besteht seit zehn Jahren – Ein Konzert zum Jubiläum
| |
Renate Dreesen ist die Vorsitzende des Vereins „Arbeitskreis ehemalige Synagoge Pfungstadt“. Unser Bild zeigt sie unter der Sternendecke des Kulturdenkmals. Archivfoto: Günther Jockel
Als vor zehn Jahren die Sanierungsarbeiten in der ehemaligen Synagoge Pfungstadt beendet waren, gründete sich der Verein „Arbeitskreis ehemalige Synagoge Pfungstadt“, um dem neu gestalteten Kulturhaus ein Gesicht zu geben. „Wir wollen an jüdisches Leben erinnern, das hier ausgelöscht wurde und jüdische Kultur vermitteln“, sagt Renate Dreesen, Initiatorin und Mitbegründerin des Arbeitskreises sowie Vorsitzende des Vereins.Die Mitgliederzahl ist von ursprünglich zwanzig auf vierzig angestiegen, die Finanzierung läuft ausschließlich über die Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen und Spendengeldern. „Das ist nicht viel, aber dank unseres tollen Teams macht die Arbeit Spaß, und die Kooperation klappt im Vorstand und im Verein wunderbar.“
Termin
Rund zwölf Veranstaltungen gibt es im Kulturhaus pro Jahr – Konzerte, Lesungen, Exkursionen und – ganz wichtig: Zeitzeugengespräche. Dreesen kennt viele Gäste persönlich, sie kommen immer wieder, um über ihr Schicksal zu berichten. Ein jüngst beendetes Projekt war die Verlegung von Stolpersteinen: Wer heute durch Pfungstadt läuft, wird daran erinnert, dass es hier einmal eine kleine, lebendige jüdische Gemeinde gegeben hat. In Haus Nummer 54 der Kirchstraße lebten beispielsweise die Schwestern Mina Rothschild und Jenny Jeidel. 1942 wurden sie von den Nazis ins polnische Piaski deportiert und im Vernichtungslager Belzec ermordet.
Der Verlegung der Stolpersteine hat der Stadtrat seinerzeit zugestimmt. Im Übrigen laufe die Zusammenarbeit mit Stadt und Kirchengemeinden aber auch nach zehn Jahren erfolgreicher Vereinsarbeit nicht reibungslos, bedauert Dreesen. Es habe bisher keine finanzielle Unterstützung gegeben, und auch die Kommunikation sei oft nicht zufriedenstellend. „Dabei sind wir außerhalb Pfungstadts sehr gut vernetzt.“
Renate Dreesen, Pfungstädterin und Lehrerin für Deutsch und Politik in Darmstadt, engagiert sich weit über die Vereinsaktivitäten hinaus für jüdisches Leben. So ist es wohl auch nicht ungewöhnlich, dass an einem Nachmittag unter der Woche vier Weiterstädter Schülerinnen in die Synagoge kommen, die sich gerade mit dem Nationalsozialismus beschäftigen. Sehr anschaulich erklärt Dreesen den Mädchen, wie die Synagoge mit dem wieder hergestellten kobaltblauen Tonnengewölbe und den gelben Sternen einmal ausgesehen hat und wie jüdische Gottesdienste heute abgehalten werden. In Darmstadt möchten die vier einmal einen Gottesdienst besuchen, Dreesen bietet ihnen an, sie zu begleiten. Denn genau darum gehe es: So wichtig Erinnerungskultur und Geschichtsaufarbeitung auch sind, will der kleine Verein nicht nur zeigen, was einmal war, sondern auch der gegenwärtigen jüdischen Kultur Raum geben. Seine Mitglieder sorgen mit großem Engagement dafür.
Der Verein feiert das Jubiläum am Samstag (8.): Alix Dudel
und Sebastian Albert präsentieren in der ehemaligen Synagoge Pfungstadt (Hillgasse
Lieder und Lyrik von Mascha Kaléko. Beginn ist um 19.30 Uhr.