Programm 2004

 

27.1.2004                    Gedenkveranstaltung zum Tag der Befreiung des

KZ Auschwitz

Vorgestellt wird das Projekt   „Denkzeichen

Güterbahnhof“

27.2.2004                    Besuch der Synagoge in Darmstadt und des

Gottesdienstes

21.3.2004                    Fahrt zum KZ Osthofen zusammen mit dem

ehemaligen Häftling Philipp Benz

27.4.2004                    Lesung mit der berühmten Exilautorin

Hilde Domin: Abel steh’ auf

11.5.2004                    „Meschugge, Zores und Schlamassel“

Pfarrer Walter Ullrich, Darmstadt, referiert über

Jiddische  Spuren im südhessischen Dialekt“

19.5.2004                    Zeitzeugengespräch mit  Arek Hersh

15.7.2004                    Premiere in Pfungstadt: Konzert mit Irith Gabriely und

Colalaila Classic

12.9.2004                    Tag des offenen Denkmals

26.9.2004                    Gedenkveranstaltung am Güterbahnhof

„Denkzeichen Güterbahnhof“

2.11.2004                    Eli Amir. Im Schatten der Orangenhaine

Die Geschichte der Youth Aliyah

7.11.2004                    Einweihung des  „Denkzeichens Güterbahnhof“

 

 

9.11.2004                    Gedenkveranstaltung  zur Pogromnacht

mit Isaak Zieman

Programm 2003

Programm 2003

27.1.2003                    Tag der Befreiung von Auschwitz

Eröffnung der Ausstellung „Juden in Pfungstadt“  

30.3.2003                    Konzert Irith Gabriely und Peter Przystaniak  

25.5. 2003                   Zeitzeugengespräch mit Dr. Max Mannheimer  

17.6.2003                    70 Jahre Bücherverbrennung                                                              

Vortrag Thomas B. Schuhmann

Mit der Buchhandlung Faller

28. 9. 2003                  Gedenkveranstaltung am Güterbahnhof

12.10.2003                  Fahrt zum KZ Strutthof im Elsass

9.11.2003                    Gedenkveranstaltung zum Jahrestag der  Pogromnacht

Zusammen m. Stadt und Kirchengemeinden –   Rundgang

Dez. 2003                   Lesung mit Eli Amir: Im Schatten der Orangenbäume            

berühmter israelischer Schriftsteller

Tag des offenen Denkmals – ein voller Erfolg

Mehr als 100 Besucher kamen am Tag des offenen Denkmals in in die ehemalige Synagoge nach Pfungstadt.
Der Arbeitskreis ehemalige Synagoge Pfungstadt e.V. öffnete die Synagoge am Tag des offenen Denkmals, führte durch das Gebäude und informierte über die Initiative für ein Denkmal am Darmstädter Güterbahnhof, dem Ort, von dem aus 1942/43 Juden und Sintis aus dem Volksstaat Hessen in die KZ’s und Vernichtungslager deportiert wurden.

Bitte streicht mich nicht aus! – 70 Jahre Bücherverbrennung

Vortrag von Thomas B. Schumann:

„Bitte streicht mich nicht aus!” (Arthur Holitscher)

Mehr als 2000 Autoren und Autorinnen wurden ab 1933 von den Nationalsozialisten aus politischen Gründen oder weil sie jüdischer Herkunft waren verfolgt und verfemt.
Ihre Bücher wurden verboten und verbrannt. An sie wird der Publizist und Verleger Thomas B. Schumann, der noch viele Exil-Schriftsteller persönlich kennen gelernt hat und sich seit langem der Thematik widmet, erinnern.

(unterstützt von der Buchhandlung Faller)

Zeitzeugengespräch mit Dr. Max Mannheimer

Theresienstadt – Auschwitz Warschau – Dachau

Max Mannheimer hat alles durchlitten, was einem Menschen, in dem von Deutschen entfesselten Inferno zustoßen konnte: Demütigung, Vertreibung, Internierung im Ghetto, Tod fast der ganzen Familie in der Gaskammer, Arbeitslager und KZ, Hunger, Krankheit und Misshandlung. Wie durch ein Wunder hat er, gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder, diese Hölle überlebt.

Nie wieder, so schwor er sich, wollte er nach Deutschland, in das Land seiner Peiniger. Doch dann lernte er eine junge Deutsche kennen, die im Widerstand gewesen war, und gründete in München, der ehemaligen Hauptstadt der Bewegung, eine Familie. Mannheimer sprach nicht über das, was er erlebt hatte. Erst als er irrtümlich seine Tod nahen glaubte, entschloss er sich, für die Nachgeborenen das Erlittene festzuhalten.

Heute ist Max Mannheimer unermüdlich tätig in Vorträgen, Diskussionen und Führungen durch die KZ-Gedenkstätte Dachau. Seit 1988 ist Vorsitzender der Lagergemeinschaft Dachau. In zahllosen Veranstaltungen, vor allem auch in Schulen, leistete er die schmerzliche Arbeit der Erinnerung und ist so eine unentbehrlicher Streiter für unsere demokratische Kultur. Sein „Spätes Tagebuch” ist ein großes menschliches Dokument.

„Ihr seid nicht verantwortlich für das, was geschah. Aber dass es nicht wieder geschieht, dafür schon.”

(Max Mannheimer im Gespräch mit Schülern)

Dr. Max Mannheimer sprach zu einem interessierten Publikum in Pfungstadt als Zeitzeuge in der ehemaligen Synagoge in Pfungstadt.

Klezmer meets Zigan mit Irith Gabriely und Schnuckenack Reinhardt, Peter Prystaniak am Flügel

Benefizkonzert am 13.5.2003 zur Finanzierung des Denkzeichens

 Klezmer meets Zigan 

In dem ausverkauften Konzert begegneten sich die charismatische „Königin der Klezmermusik” Irith Gabriely (COLALAILA) aus Israel und die 82-jährige „Legende des deutschen Zigeunerjazz” und Nr. 1 der europäischen Zigeunermusik Schnuckenack Reinhardt zu einem mitreißenden Dialog zwischen
Jewish Soul und Gypsy Heart vor fast 600 begeisterten Zuhören.

Mit diesem Benefizkonzert möchte die Initiative „Gedenkort Güterbahnhof Darmstadt”, die sich im Frühjahr 2002 gegründet hat, einen Teil des Denkzeichens Güterbahnhof finanzieren.

Zielsetzung: Die Initiative hat sich zum Ziel gesetzt, auf dem der Deutsche Bahn AG gehörenden Gelände einen Ort des Gedenkens für die von Darmstadt aus deportierten Opfer des Holocaust zu schaffen. Die Bahn AG unterstützt unser Vorhaben und wird uns ein an der Einfahrt liegendes Geländestück zur Verfügung stellen. Vom Oberbürgermeister der Stadt Darmstadt haben wir ebenfalls generelle Unterstützung der Stadt und ihrer Ämter sowie einen materiellen Beitrag zugesichert erhalten.

Künstlerischer Entwurf: Für die Gestaltung des Projekts haben wir die Künstler Ritula Fränkel und Nicholas Morris gewonnen werden, die mit der 2001/2002 in der Synagoge Darmstadt und der ehemaligen Synagoge gezeigten Installation „X-odus” hervorgetreten sind. Außerdem berät uns Professor Werner Durth vom Fachbereich Architektur der TUD, Mitglied in zahlreichen Beratergremien von Gedenkprojekten. In die Gestaltung sollen u.a. ein Prellbock und Schienenstücke sowie ein Glaskubus einbezogen werden, in dem die auf Glasscherben eingravierten, zerbrochenen Namen von Deportierten sichtbar aufbewahrt sind. Das Denkzeichen selbst wird durch ein Begleitheft ergänzt werden, das neben einer historischen Darstellung der Deportationen und einigen Dokumenten Namen der von Darmstadt aus deportierten Juden und Sinti enthalten wird.

Die Initiative „Gedenkort Güterbahnhof Darmstadt” wird wesentlich getragen von der Arbeitsgemeinschaft Geschichte vor Ort Darmstadt, der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Darmstadt, dem Arbeitskreis ehemalige Synagoge Pfungstadt sowie dem Stadtverband Darmstadt der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft.

www.denkzeichen-gueterbahnhof.de

Programm 2002

Programm 2002

 

17.1. – 3.2.2002          X-ODUS – Jüdisches Leben nach 1945

Installationsausstellung von

Ritula Fränkel und Nicholas Morris

27.1.2002                    Gedenken heute – Tag der Befreiung von Auschwitz.

20.3.2002                    Landschaften und Menschen in Israel

Bilder der Malerin Ruth Patt, Haifa

Musikalische Begleitung Irith Gabriely

23.5. 2002                   Lesung mit der Schriftstellerin Esther Dischereit

21.9.2002                    Fahrt zum KZ Struthof im Elsass

10.11.2002                  Gedenkveranstaltung und Eröffnung der Ausstellung

                                    Zirkus Lorch – Die Artistin,

                                    der Clown und ihr Retter

 

In Hollywood verfilmt, aber in Pfungstadt unbekannt

Gedenkveranstaltung und Eröffnung der Ausstellung

Irene Bento überlebte den Holocaust, weil der Zirkus Althoff sie versteckte / Ausstellung in der ehemaligen Synagoge

Von Astrid Ludwig

Als Luft- und Seilartisten war die jüdische Familie Lorsch aus Eschollbrücken weltberühmt. Sie gastierte schon um die Jahrhundertwende in Buenos Aires und New York. Die Nazis ermordeten viele Familienmitglieder in Auschwitz. Irene Bento, Enkelin des Zirkusgründers, überlebte, weil der Zirkus Althoff sie und ihre Angehörigen vier Jahre lang versteckte. Eine Ausstellung in der ehemaligen Synagoge in Pfungstadt dokumentiert von Sonntag an die Geschichte der Retter und Geretteten.

DARMSTADT/PFUNGSTADT. Die Fotos erzählen Geschichten aus einer anderen Welt und anderen Kontinenten. Als die meisten ihrer Nachbarn im kleinen Eschollbrücken, heute Stadtteil von Pfungstadt, oftmals nur bis Darmstadt reisten, schlug die Zirkusfamilie Lorsch ihre Zelte am Zuckerhut auf, in Buenos Aires, sie gastierte in New York und Philadelphia oder in Paris. Wenn sie im Winter ihr Quartier in die Heimat verlegten, zogen sie mit Elefanten und Prunkwagen nach Eschollbrücken ein und wurden dort von einem Musikzug empfangen. Die Pfungstädter Straße, in der sie lebten, hieß im Volksmund Lorsche Gass.

“Die Lorschs waren polyglott. Sie sprachen zwischen fünf und zehn Sprachen. Kosmopoliten, die irgendwie gar nicht ins Dorf passten”, sagt Renate Dreesen. Fasziniert blättert die Vorsitzende des Arbeitskreises “Ehemalige Synagoge Pfungstadt” in den Fotoalben, die ihr Irene Bento aus dem Familienbesitz geliehen hat. Dreesen ist Mitglied im Darmstädter Arbeitskreis “Geschichte vor Ort” und organisiert jährlich die Gedenkfeiern zur Erinnerung an die Deportation der jüdischen Familien, der Sinti- und Roma am Darmstädter Güterbahnhof mit. Sie hat die am Sonntag beginnende Ausstellung in der Pfungstädter Synagoge über die Bentos initiiert. “Eine Geschichte, die unbedingt erzählt werden muss. Eine Rettergeschichte.” Für Renate Dreesen ist es wichtig, dass zum Gedenktag der Pogrome gegen Juden “auch die positiven Beispiele gezeigt werden”.

Die Geschichte der Irene Bento, die seit Kriegsende mit ihrem Mann Peter wieder in Eschollbrücken lebt, ist so ein Beispiel. “Ihr Leben wurde in Büchern geschildert und von Barbra Streisand verfilmt, doch in Pfungstadt kennt sie keiner oder will sie keiner kennen”, bedauert Dreesen. Irenes Retter, Maria und Adolf Althoff, ebenfalls eine weltberühmte Zirkusfamilie, wurde für ihr mutiges Handeln von Yad Vashem mit der Medaille der “Gerechten der Völker” ausgezeichnet. In Eschollbrücken nahm kaum einer Notiz davon.

Die Familie – Irene, die Eltern Alice und Hans, die Schwester Gerda – leben als Artisten, bis ihnen der zunehmende Antisemitismus der 30er Jahre das Leben schwer und die Arbeit unmöglich macht. Irene darf nicht länger in die normale Schule gehen. Weil die Klassenkameraden ihr vorwerfen, “dass Juden stinken”, lutscht sie als Kind immer Pfefferminzbonbons, erzählt sie in ihren Erinnerungen. Ein Zahnarzt aus dem Ort gewährt ihr trotz der rassistischen Nazi-Hetze Arbeit.

Als der Zirkus Althoff in der Nähe gastiert, schickt ihre Mutter sie zu den Artisten, um nach Arbeit zu fragen. Die inzwischen 18-Jährige lernt den Musikclown Peter Bento kennen, die beiden verlieben sich. Irene, ihre Mutter und ihre Schwester finden Unterschlupf und gehen mit Althoff auf Tournee. Irene tritt als Clown auf, als Zirkusreiterin und Elefantendompteurin. Immer wieder müssen sie sich auch dort zwischen 1941 und 45 vor den Kontrolleuren der Nazis verstecken. Doch sie überleben dank der Solidarität der Artisten, während die Großmutter Sessie Lorch und deren Geschwister in Auschwitz ermordet werden. Nach dem Krieg kehren die Bentos als einzige jüdische Familie nach Eschollbrücken zurück. Sie arbeiten weiter als Artisten, auch die fünf Kinder ergreifen diesen Beruf.

“Ihr Schicksal muss thematisiert werden. Ihnen sollte die Ehre erwiesen werden, die sie verdienen”, findet Renate Dreesen. Mit Originalfotos und Zirkuskostümen der Familie Bento hat sie die Ausstellung komplettiert, die am Sonntag, 17 Uhr, mit einer Gedenkfeier in der ehemaligen Synagoge, Hillgasse 8, in Pfungstadt eröffnet wird. Irene und Peter Bento, beide heute 80 Jahre alt, haben ihren Besuch zugesagt.

� Die Ausstellung ist bis Ende November jeweils mittwochs bis samstags von 16 bis 18 Uhr zu sehen und sonntags von 10 bis 12 Uhr sowie nach Vereinbarung (Tel. 06157/ 84470)